Zwentendorf, Texingtal, Kirchschlag – die weite Welt des Erwin Pröll

„Er“ hat wieder gesprochen – und zwar in der NÖN. Dort hat der NÖ Landeshauptmann Erwin Pröll in seinem traditionellen Sommerinterview wieder vermeintlich Großes von sich gegeben. Auf die vom, vor Neugier offenbar platzenden Journalisten gestellte Frage, ob er, Pröll, bei der Landtagswahl 2018 noch einmal antreten werde, ließ der Landeshauptmann wissen, dass er das nicht ausschließe! Welche Überraschung eineinhalb Jahre vor der Wahl angesichts einer ungeklärten Nachfolge!

 

Dann versucht Pröll im Zeitungsinterview in Niederösterreichs ältester Regionalzeitung durch vermeintlich staatstragende Aussagen wieder Gewicht für sich und die ÖVP-NÖ auf Bundesebene zu gewinnen. Denn seit dem Abgang des Niederösterreichers Michael Spindelegger als Vizekanzler und Parteiobmann sitzen zwar nach wie vor drei Landsleute – Sobotka, Schelling, Brandstetter – auf Ministersesseln, aber die beiden letzteren sind fleißige Fachleute, die mit dem alltäglichen Polit-Hick-Hack nichts zu tun haben wollen. Und auch Mikl-Leitner hielt als Innenministerin die blau-gelbe Fahne und deren Politwünsch nicht besonders hoch. Sie war doch mit dem Asyl- und Fremdenwesen, dem Absichern der Grenzen vor heranstürmenden Flüchtlingen, doch mehr als ausgelastet – und wie wir jetzt am Urteil des Verfassungsgerichtshofes sehen, als langjährige Ressortleiterin offenbar auch überfordert. Die Rechtswidrigkeiten bei der Wahl hatten ihren Ursprung und Ursache ja nicht bei dem, erst seit wenigen Wochen im Amt befindlichen Minister Sobotka, sondern bei seiner Vorgängerin und deren offenbar laschen Amtsführung, abseits des von den Boulevardmedien stets beleuchteten Asylthemas.

 

Aber zurück zu Erwin Prölls Interview – während uns dieses vermitteln will, Pröll gäbe den Ton in der heimischen Innenpolitik an, indem es den Landeshauptmann wortgewaltig zu Minister Brandstetter mit den Worten „Ich wüßte nicht, welche Ansatzpunkte es gibt, den Justizminister abzulösen“ zitiert. Nicht minder dominant spricht Pröll über die neue Unterrichtsministerin mit den Worten „seit sie ins Ministerium übersiedelt ist, ist sie offenbar in Deckung gegangen.“

Tatsächlich reicht Erwin Prölls Arm schon lange nicht mehr bis Wien, die Zeiten der Fernsteuerung der ÖVP-Bundespartei aus St. Pölten gehört der Vergangenheit an!

 

Atomkraftwerk

Zwentendorf – auch hier ist Doch-nicht-Bundespräsident Pröll tätig. Foto: blende-8/fotolia

 

Über die Realität von Prölls Einfluß und Wirkungskreis kann auf www.ots.at nachgelesen werden. Da heißt es in den Presseaussendungen der NÖ Landesregierung bodenständig: „LH Pröll eröffnete das neue Gemeindezentrum in Texingtal“ und „Eröffnung des Rathausplatzes in Zwentendorf“ und, statt der Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen, wurde es nur „LH Pröll bei der Premiere der Passionsspiele Kirchschlag“. Etwas schlicht für jemanden, dem nachgesagt wurde, mal Präsident der Republik werden und Österreich kraftvoll in der weiten Welt vertreten zu wollen.