Politische Kraftmeier und Schöngeister

Erwin Pröll hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen! Sein von ihm über Jahrzehnte geführtes Bundesland hat sich derart verschuldet, dass es von manchen schon „Groß-Kärnten“ genannt wird. Und dann verlor er als Sprachrohr auf Bundesebene, bald nach seinem Neffen Sepp Pröll, auch Michael Spindelegger als ÖVP-Obmann. Als Ministerin war Johanna Mikl-Leitner nicht durchschlagskräftig und auch ihr Nachfolger Werner Sobotka verzettelt sich lieber in Kleinkriege mit dem Verteidigungsminister und dem Kanzler, als die Linie der ÖVP-NÖ auch auf Bundesebene zu vertreten. Und da der aus Oberösterreich stammende Reinhold Mitterlehner mehr Schöngeist als Kraftmeier ist, ist dessen Gesprächsbasis zu Pröll schwer gestört.

 

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Teamgeist ist für viele in der ÖVP ein Fremdwort.         Foto: Fotolia/K.C.

 

Diese Gesprächsbasis ist umso mehr beeinträchtigt, als Mitterlehner Prölls Lieblingsprojekt „Kürzung der Mindestsicherung“ bundesweit nicht weiter bringt, zu wenig auf den Tisch haut und auch sonst zu wenig laut und polternd agiert. Daher nutzte Pröll die Gunst der Stunde und ließ einen aus NÖ stammenden Bezirkspolitiker öffentlich gegen Mitterlehner hetzen. Anlass dazu war Mitterlehners Kritik an seinem disziplinlosen Klubobmann Lopatka. Aber gerade das ist für Insider schwer zu verstehen! Denn hätte sich der Klubobmann der ÖVP-NÖ unabgesprochen mit seinem Obmann, also Pröll, über einen Präsidentschaftskandidaten geäußert, hätte Pröll den Klubobmann nicht etwa nach Wr. Neustadt geschickt, sondern gleich nach Nowosibirsk, oder weiter.