Keine Ahnung!

Wie wenig realitätsbezogen Wahlkämpfe ablaufen – auch das zeigt das Rennen um das Amt des Bundespräsidenten. So setzen, wie diverse öffentliche Unterstützungsaufrufe und Bekenntnisse gezeigt haben, Künstler vor allem auf Van der Bellen, Bauern auf Hofer. Beim ÖVP-Bauernbund sprechen sich an der Spitze der Befürworter immerhin dessen derzeitiger Vizepräsident und der ehemalige Präsident für Hofer aus, was sogar die raiffeisen- und damit bauernbundnahe Tageszeitung Kurier zu süffisanten Zeilen veranlasste.

Ohne diesen Befürwortern der beiden Hofburg-Kandidaten jede hehre, innere Überzeugung absprechen zu wollen, so liegen doch auch recht handfeste, finanzielle Interessen hinter diesen Unterstützungen. Van der Bellen hat aus seiner Sympathie für Künstler nie ein Hehl gemacht, und Hofer wirbt sogar in Inseraten mit Slogans wie „Lebt der Bauer, lebt das Land!“ um die Stimmen der Landwirte.

 

Fragen?

Wahlkämpfe sind geprägt von Desinformation – daher ist richtiges Fragen entscheidend!  Foto: Fotolia/MK-Foto

 

Was, und damit sind wir am Beginn dieses Beitrages, alles nichts mit der Realität zu tun hat. Denn tatsächlich hat der Bundespräsident in beiden Bereichen – Kunst und Landwirtschaft – Null Kompetenz, schon gar keine zum, wie von den beiden Gruppen erhofft, Verteilen von Geld. Doch zum Einen übertreffen die beiden Kandidaten einander mit Ankündigungen, was sie nicht alles tun werden – obwohl das die Verfassung nicht im Geringsten vorsieht. Zum Anderen hat offenbar die Mehrheit der Österreicher über die Kompetenzen des Bundespräsidenten wenig bis keine Ahnung. Dabei böte hier das Internet und die diversen Suchmaschinen jede Menge Information. Doch, das lehrt die Erfahrung aus einem dreiviertel Jahr Wahlkampf, ist es vielen lieber – weil einfacher? – das Internet für oft hoch emotionale Statements zu den Kandidaten zu nutzen, als sich selbst sachlich und seriös über das höchste Amt im Staate zu informieren.