Achtung – Rechenkünstler in der Gesundheitspolitik!

Angenommen der Geschäftsführer eines Unternehmens irrt sich bei seiner Prognose fürs beginnende Geschäftsjahr um 175 Millionen Euro, der Rauswurf durch den Eigentümer wäre ihm sicher! Nicht so in unserem Gesundheits- und Sozialsystem! Da kündigte der Hauptverband (HV) im Februar 2016 im damals noch neuen Jahr für die Krankenkassen ein zu erwartendes Defizit von 91 Millionen Euro an! Wie aber nun, ein Jahr später, im Februar 2017, die vorgelegte Abrechnung des Hauptverbandes zeigt, wurde ein Überschuss von 81 Millionen Euro erwirtschaftet!

 

Bei aller Freude über einen, im Gesundheitswesen seltenen Überschuss, mutet es doch seltsam an, wenn die Geschäftsführung eines Unternehmens in der Prognose fürs beginnen Geschäftsjahr um 175 Millionen „daneben liegt“. Das ist umso verstörender, als es sich beim Hauptverband ja nicht um ein „Start up“ handelt, sondern um einen Betrieb, der auf Jahrzehnte lange Erfahrung und dabei gewonnene Daten zurück blicken kann.

Im Hauptverband gibt’s Probleme beim Rechnen, wenn’s um die Gesundheit geht. Foto: Fotolia/aytuncoylum

 

Der Verdacht liegt also nahe, dass der HV vor einem Jahr mit der Ankündigung eines 91 Millionen Euro Defizites seine Position bei den Verhandlungen u.a. mit der Pharmawirtschaft stärken wolle. Und den Versicherten wollte man so wahrscheinlich auch gleich signalisieren, dass für weitere Leistungen kein Geld da sei und bestehende Selbstbehalten für Heilbehelfe und Medikamente (in Form der Rezeptgebühr) berechtigt seien.